Caritas-­Flüchtlingshilfe Essen e.V.

Bischof Mouche zu Gast in Essen

Pressemeldung


„Wir haben keine Zeit zu verlieren"

Während in Mossul noch gekämpft wird, hegen Christen Hoffnung auf einen Wiederaufbau. Syrisch-katholischer Bischof wirbt um Unterstützung der internationalen Gemeinschaft

Essen (cde) Bischof Petros Mouche wirkt erschöpft. Der syrische-katholische Bischof der Diözese Mossul ist zu Besuch in Deutschland. Mouche ist langjähriger Partner der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen (CFE) und berichtet über die Situation in seiner Heimat - den vom IS besetzen Gebieten im Nordirak.

Während die Stadt Mossul noch umkämpft ist, plant Bischof Mouche die Zukunft seiner Gemeinde und der Region. Mouche schätzt, dass von den vormals bis zu 1,5 Millionen Christen im Irak bis heute rund 1 Million - erst unter Saddam Hussein, dann vor dem IS - geflohen sind. Derzeit treibt Mouche die Hoffnung, dass es gelingt, die Lage in der Region zu beruhigen und dass die Menschen wieder zurückkommen. „Wir wollen unsere christliche Kultur, Liturgie und Sprache leben, dazu brauchen wir Menschen, die zurückkehren." Er meint nicht nur die syrisch-katholischen Christen, sondern schließt ausdrücklich auch Assyrer, Chaldäer und andere christliche Minderheiten ein. Deswegen dürfe man beim Wiederaufbau keine Zeit verlieren.

Erste Voraussetzung sei Sicherheit. „Als Christen fühlen wir uns aber noch nicht sicher", so Mouche. Neben dem IS bereitet dem Kirchenmann das Erstarken der islamischen Gruppierung Shabak Sorgen, die in der Region südlich von Mossul die zerstörten Häuser und Grundstücke von geflohenen Christen aufkauft oder besetzt. „Shabak will diese Region erobern und wird dabei von der irakischen Zentralregierung, aus dem Iran und von Kurden unterstützt." Der Bischof seinerseits hofft auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und appelliert an die EU und Amerika, Schutz und Sicherheit für Rückkehrer zu gewährleisten.

Derzeit gebe es zwar weder Wasser, Straßen, Strom noch Schulen in der Region. Mouche aber schwebt eine von Christen selbstverwaltete Region im Nordirak vor, unter dem Schutz der internationalen Gemeinschaft. Die zweite Phase sei der Wiederaufbau der Infrastruktur und der Häuser, die zum Teil von islamischen Nachbarn niedergebrannt und geplündert worden seien. „Die Solidarität der Weltgemeinschaft würde unseren Leuten" – und damit meint er die Christen – „ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und sie zur Rückkehr bewegen." Aber – und da ist Moche skeptisch - je länger die militärische Sicherung ausbliebe, desto unwahrscheinlicher würde auch die Rückkehr der Menschen. Und so mischt sich in den Dank des Kirchenmannes, den er dem Essener Verein CFE ausdrücklich für Hilfe im Nordirak und in Essen ausspricht, auch Skepsis. Die Integration der Menschen in der Fremde verhindere eben zum Teil auch, dass sie zurückkehrten.

Heute und morgen trifft der Bischof seine Exilgemeinde in Essen, den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und den Bürgermeister von Altena. Von hier aus fährt er dann weiter nach Holland und Italien, um weitere Verbündete für sein Anliegen zu gewinnen.

Die Hilfen der CFE vor Ort

Mouche ist langjähriger Partner der CFE im Nordirak. In der Vergangenheit hat die CFE seine Gemeinden in der Ninive-Ebene öfter besucht und dort anfangs Soforthilfen in Form von Bargeldauszahlungen an Bedürftige geleistet. Außerdem konnte die CFE mit Hilfe von Spenden mit 100 Containern das „Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet" für jesidische Flüchtlinge errichten, inklusive Bäckerei und Handwerkerstraße. Außerdem konnte der Essener Verein vor Ort Verteilungen von Lebensmitteln, Brennstoff, Bekleidung an Geflüchtete aus Karakosh, die in der autonomen Region Kurdistan Zuflucht gefunden haben, ausgeben. Weitere Infos unter www.fluechtlingshilfe.com

Rückfragen an Rudi Löffelsend, mobil 0171 83 57 187 und Jan Jessen, mobil 0173 260 63 32

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