Caritas-­Flüchtlingshilfe Essen e.V.

Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet

Aktuelle Infos zum Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet gibt es auf dieser Website:

fluechtlingsdorf-ruhrgebiet.de

Das Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet, manchmal auch Flüchtlingsdorf NRW genannt, ist ein kleines, in sich geschlossenes Projekt, das modellhaft aufzeigt, wie Flüchtlingspolitik heute funktionieren kann. Das Projekt haben wir Anfang 2015 begonnen.

 

Die Grundidee ist es, geflüchteten Menschen

 

  • durch vernünftige Unterbringung vorübergehend eine neue Heimat zu geben und
  • ihnen zu ermöglichen, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Darüber hinaus geht es aber auch um das Schaffen der Bedingungen, die für das Leben nach der Flucht notwendig sind, beispielsweise Schulunterricht für die Kinder.


Seit Mitte 2015 konnten wir  bislang 100 Wohncontainer und 30 „Basarcontainer“ anschaffen, in denen Handwerker ihre Dienstleistungen anbieten. Für deren Ausstattung hat  u. a. die Handwerkskammer NRW im Juli 2016 einen Lkw mit gesammelten Werkzeug und  Kleinmaschinen auf die Reise geschickt. Weitere 25 Basarcontainer sind zurzeit in Arbeit, deren Finanzierung durch die Deichmann-Stiftung sichergestellt worden war.

 

 

Um die Grundversorgung sicherzustellen, haben wir eine kleine Bäckerei errichtet, die in der ersten Zeit kostenlos Brot für die Bewohner herstellte. Anfallende Kosten für Mehl, Gehälter usw. haben wir ein Jahr lang übernommen.

 

Wir haben die Container in einem bereits für ein Flüchtlingscamp erschlossenen Areal aufbauen können. Die Regionalregierung hat auf einem abschüssigen Gelände vernünftigen Wegebau betrieben, mit festen Wegen und einem Abflusssystem für Regenwasser. Sie hat durchgehend die Stromzuführung gesichert und so geplant, dass an die einzelnen Container sowohl Frischwasser zugeführt werden kann, als auch die Abwasserentsorgung geregelt ist.

 

Wir haben Container beschafft, die auf ca. 30 Quadratmetern auch einer größeren Familie genügend Platz bieten, mit einer Nasszelle inkl. Toilette, Dusche und Waschbecken sowie einer Küchenzeile mit Strom- und Wasserversorgung. Die Container haben wir zu einem sehr günstigen Preis „vor Ort“ bei einer Firma in Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region, besorgt. Der Stückpreis liegt bei 5000 €, dazu kommen rund 200 € für den Transport bis zum Camp.

 

 

Nach weniger als einem Jahr waren rund 800 Menschen in Containern untergebracht und „grundversorgt“. Das reicht aber noch nicht, um den Anspruch einer neuen Flüchtlingspolitik gerecht zu werden. Dazu gehört schlicht, das die Kinder Schulen brauchen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Wir haben dann mit der „Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit“ (GIZ) vereinbaren können, dass sie aus Mitteln der Bundesregierung eine Schule mit zwölf Klassenräumen baut. Im Doppelbetrieb gibt es 24 Schulklassen. Für die Ausstattung sind wir verantwortlich. An Essener Schulen haben Schülerinnen Schüler/-innen Aktionen durchgeführt. um Geld für die Ausstattung der Räume und der Kinder zu sammeln. Bisher kamen rund 30.000 Euro zusammen, die Aktion geht weiter.

 

 

Ebenfalls über die GIZ ist der Bau einer Krankenstation gelungen. Wir haben uns verpflichtet, die Ausstattung zu finanzieren und Mitarbeiter zu suchen, also Ärzte und Pflegepersonal. Diese stellt inzwischen die Regionalregierung.

 

 

Die Bewohner des Flüchtlingsdorfs Ruhrgebiet wurden durch den IS vertrieben. Unsere Containerlösung sieht vor, dass die Flüchtlinge nach der Rückeroberung und „Entminung“ der Dörfer und Städte, aus denen sie geflüchtet sind, in den zerstörten Heimatorten zunächst in "ihren" Container leben. Damit haben sie eine Basis für den Wiederaufbau.

 

Ganz aktuell hat die  Schwäbische Zeitungn (SZ) in Ravensbrück in einer großen Weihnachtsaktion 250.000 € gesammelt. Davon sollen 25 Wohncontainer und sieben Basarcontainer angeschafft werden, darüber hinaus ein Jugendzentrum, ein kleines Ausbildungszentrum für das Holzhandwerk und ein Kinderspielplatz.

 

Damit hoffen wir, das Projekt Flüchtlingsdorf Ruhrgebiet im Sommer abzuschließen. Danach wollen wir an den Wiederaufbau in Karakosch gehen, vorwiegend für Christen, weil diese in der Region besonders vom Terror des IS betroffen waren.